20. Dezember 2017

Die Entwicklung der Schmuckurnen und Särge

Die Geschichte des Sarges:

Behältnisse zum Begräbnis der Toten sind vor 9000 Jahren im vorderen Orient und später aus allen Teilen der Welt belegt. Schon in vorgeschichtlicher Zeit und in der Antike hatten die Menschen das Bedürfnis, ihre Toten zu umhüllen.

Berühmt für ihre Bestattungsbräuche waren die alten Ägypter, die ihre Toten mit unnötig gewordenen, persönlichen Dokumenten, Quittungen und Rechnungen des Verstorbenen zu Pappe verklebt und so als persönliche Umhüllung des Leichnams dienten. Särge aus geflochtenen Zweigen, die als korbähnliches Gebilde dem Körper des Verstorbenen angepasst wurden sowie Haus-, Kasten oder Schrankformen waren die Sargtypen in dieser Zeit.

3000 v. Ch. traten in Nord – und Mitteleuropa die ersten Totembäume in Erscheinung. Hierfür wurden gespaltene und ausgehöhlte Baumstämme verwendet, die meist mit Tierfellen ausgelegt waren (Abb. 1).

Baumsärge wurden in Hügelgräbern deponiert und kommen zum Teil noch bis ins Mittelalter vor. Die bekannteste Baumsargbestattung ist das „Mädchen von Egtved“ Jütland in Dänemark um 1400 v. Chr. (Abb.1). Es handelt sich um eine der am besten erhaltenen Bestattungen der Bronzezeit (Abb. 2).

Etwa 2000 v. Chr. kamen in Mitteleuropa die ersten gezimmerten Brettersärge auf. Die Sargformen unterlagen dem ständigen Wechsel nach Zeitabschnitten, Ländern und Kulturen. So wurden zwischen der Spätantike und dem ausgehenden 16. Jahrhundert die Toten ohne Sarg begraben, in einem Tuch verhüllt und in der Erde bestattet.

Ende des 16. Jahrhunderts setzte sich langsam wieder der Brauch der Bestattung mit einem Holzsarg anstelle der Einäscherung durch. Für die ärmeren Schichten war dies unerschwinglich. Die Toten wurden auf so genannten Totenbrettern zu Grabe getragen.

Erdbestattungen im Sarg waren in allen Gesellschaftsschichten verbreitet. Aber nur den Privilegierten waren kostbare Särge aus Stein, Metall, Marmor oder Holz vorbehalten – meist als Sarkophag oder später die Tumba als Grabmal (Abb. 3 und 4).

Das Aufkommen hygienischer Verordnungen sowie die Einführung von Leichenhäusern im 19. Jahrhundert machten die Benutzung des Sarges für Jeden erforderlich. Der Sarg wurde schlichter und entfernte sich von den barocken und überladenen Prunk (Abb. 4).

Die technische Industrieproduktion im 20. Jhd. der Einsatz von umweltverträglichen Materialien bis hin zu ausgefallenen Designs prägen das heutige Bild des Sarges (Abb.5).

Früher besaß der Sarg meist eine Botschaft, dieser war Ausdruck von Geschichte, Hoffnung und Emotionen. Nach der Entsorgungsmentalität der 80`ger Jahre erfährt die Bestattungskultur nun wieder neue Aufmerksamkeit. Sargindustrie, Designer und Bestatter arbeiten daran, dem Sarg heute eine neue individuelle Bedeutung und Qualität zu geben – sich an den Wünschen des Verstorbenen und dessen Persönlichkeit zu orientieren (Abb. 6).

Sylvia Aust – Reichelt

Abb. 1 – BaumsargAbb. 1
Abb. 2 – Baumbestattung, Mädchen von Egtved (Jüttland um 1400 v. Chr.)Abb. 2
Abb. 3 – Barocker SargAbb. 3
Abb. 4 – Sarg aus der DDR ZeitAbb. 4
Abb. 5 – Sarg aus Produktkatalog, Aust BestattungsbedarfAbb. 5
Abb. 6 – Individueller SELECT Sarg, Aust BestattungsbedarfAbb. 6

Literaturhinweise

1) BES Box Arbeitsgemeinschaft Friedhof u. Denkmal E.V. ,Kassel, „Tod und Bestattung im Wandel der Zeiten von Heinrich Busch, Seiten 179-183
2) Museum für Sepulkralkultur, Reiner Sörries „Der Sarg im Wandel der Jahrhunderte“ in Zeitschrift „das Bestattungsgewerbe“ /1992 Seite 302
3) Geschichte des Sarges von Walter Stolle – Kopien vom Museum für Sepulkralkultur Kassel – Beitrag Bestattung und Grab, S. 87

Abb. 1 – Weblink Von Photographed by User:Bullenwächter – Photographed at Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz, Germany, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1063590
Abb. 2 – Weblink https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4dchen_von_Egtved Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=585842
Abb. 3 – Barocker Sarg aus evang. Luth. Kirchgemeiden Wilhermsdorf, http://www.wilhermsdorf.info/images/sarg_2_700.jpg
Abb. 4 – Sarg aus DDR Zeit, Foto selbst von Firma Aust Bestattungsbedarf Weischlitz, Hausmesse 2010
Abb. 5 – Sarg aus Produktkatalog, Sortiment Firma Aust Bestattungsbedarf Weischlitz
Abb. 6 – Individueller Sarg „SELECT“, Sortiment Firma Aust Bestattungsbedarf Weischlitz

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